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Niedrigschwellige Betreuungsangebote mit Landesförderung flächendeckend ausgebaut vorhanden

Bei jedem Menschen steigt mit dem Lebensalter auch die Wahrscheinlichkeit, gebrechlich und hilfe- oder pflegebedürftig zu werden. In Abhängigkeit von ihrem Gesundheitszustand bedürfen ältere Menschen bei der Bewältigung ihres Alltages häufig bereits mehr oder weniger intensiver Betreuung und Beaufsichtigung.

Auch in dieser Lebenssituation haben die meisten Menschen aber den Wunsch, trotz ihrer Einschränkungen in der gewohnten Umgebung der eigenen Häuslichkeit verbleiben zu können. Die erforderlichen Hilfestellungen/ Pflegeleistungen werden in diesen Fällen entweder von ambulanten Pflegediensten oder - und dies sogar in der überwiegenden Zahl - von den Angehörigen der Betroffenen erbracht.

Die Betreuung und Versorgung der älteren Menschen rund um die Uhr sicherzustellen, ist für die pflegenden Angehörigen allerdings häufig eine große Belastung. Die Landesregierung verfolgt daher das Ziel, die pflegenden Familien bei ihrer Aufgabe zu unterstützen und zu entlasten; sie bedient sich zu diesem Zweck der „Niedrigschwelligen Betreuungsangebote".

Die Downloads und Links geben Ihnen weitere Informationen.

Was sind niedrigschwellige Betreuungsangebote?

Niedrigschwellige Betreuungsangebote nach § 45 c Abs. 3 SGB XI sind Leistungen der Betreuung und Beaufsichtigung, die stundenweise durch ehrenamtliche Helferinnen und Helfer erbracht werden. Die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer sind organisatorisch in der Regel z.B. der Caritas, dem Deutschen Roten Kreuz, der Arbeiterwohlfahrt, den Maltesern, der Diakonie, den Johannitern, dem Paritätischen, Einrichtungen der Alzheimer-Gesellschaft oder weiteren Einrichtungen der Lebens- oder Nachbarschaftshilfe angegliedert. Die Helferinnen und Helfer werden bei ihrer Tätigkeit durch Fachkräfte pflegefachlich angeleitet und nehmen den pflegenden Angehörigen ihre Aufgaben zumindest zeitweise ab; sie stellen sicher, dass die Betroffenen auch dann gut beaufsichtigt und betreut werden, wenn die Angehörigen sich nicht selbst kümmern können. Die Betreuung kann sowohl in Einzelbetreuung in der Wohnung der Betroffenen, alternativ aber auch außerhalb der häuslichen Umgebung in Gruppen erfolgen. Auf diese Weise kann eine vorzeitige Heimaufnahme der Betroffenen häufig vermieden, zumindest aber verzögert werden.

Wer kann Leistungen der niedrigschwelligen Betreuungsangebote in Anspruch nehmen ?

Die Leistungen der niedrigschwelligen Betreuungsangebote sind vorgesehen für Menschen mit

  • demenzieller Erkrankung
  • psychischer Erkrankung sowie
  • geistiger Behinderung,

wenn nach Feststellung des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK) aufgrund der Erkrankung ein erhöhter Bedarf an Beaufsichtigung und Betreuung gegeben ist. Dies ist immer anzunehmen bei Vorliegen einer Pflegestufe, kann aber auch gegeben sein, wenn die Pflegestufe I noch nicht erreicht wird (sog. „Pflegestufe 0").

Was kosten diese Leistungen? Gibt es dafür eine finanzielle Unterstützung?

Bei Feststellung der Voraussetzungen durch den MDK erhalten die Betroffenen zum Zwecke der Inanspruchnahme der Leistungen der niedrigschwelligen Betreuungsangebote aus den Mitteln der Pflegekassen einen sog. „zusätzlichen Betreuungsbetrag". Dieser Betreuungsbetrag liegt zurzeit bei 1.200 €, in schwereren Fällen bei 2.400 € jährlich (§ 45 b Abs. 1 SGB XI).

Mit diesen Mitteln können abgestimmt auf den Bedarf der Angehörigen mit den niedrigschwelligen Betreuungsangeboten stundenweise Betreuungen vereinbart und auch abgerechnet werden. Die Kosten der Betreuung werden vom Anbieter festgelegt und liegen im Schnitt im Bereich von 7,50 € bis 15 € je Stunde und betreutem Angehörigen.

Der zusätzliche Betreuungsbetrag wird - unabhängig von anderen Leistungen nach dem SGB XI - zusätzlich zum Pflegegeld oder zur Pflegesachleistung gewährt; er wird aber nicht an den Betroffenen ausgezahlt, sondern von der Pflegekasse direkt mit den niedrigschwelligen Betreuungsangeboten abgerechnet.

Wo gibt es diese Angebote ?

Seit 2004 haben bis heute insgesamt 395 Leistungsanbieter eine Anerkennung als niedrigschwelliges Betreuungsangebot erhalten (Stand 01.10.2014). In jedem Landkreis in Niedersachsen ist mindestens ein solches Angebot vorhanden. Weitere Informationen über Angebote in Ihrem Wohnumfeld finden Sie nebenstehend bei den Links bzw. Downloads.

Auf die in Zusammenarbeit mit der Apothekerkammer und der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen gestartete Plakat- und Flyer-Aktion „Suchen Sie HILFE?" wird an dieser Stelle besonders hingewiesen.

Werden auch die niedrigschwelligen Betreuungsangebote selbst gefördert?

Ja. Niedersachsen hat bereits unmittelbar nach dem In-Kraft-Treten des Pflegeleistungsergänzungsgesetzes zum 01.01.2004 die Richtlinie zur Förderung von Zuwendungen für niedrigschwellige Betreuungsangebote aufgelegt. Auf der Grundlage dieser Richtlinie erhalten die Leistungsanbieter je nach Angebot Fördermittel für die notwendigen Personal- und Sachausgaben, die mit der Koordination und Organisation der Hilfen, der fachlichen Anleitung, Schulung und Fortbildung sowie der kontinuierlichen fachlichen Begleitung und Unterstützung der ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer verbunden sind.

Die Förderung erfolgt zu jeweils 50 % von den Pflegekassen und vom Land. Voraussetzung dafür ist eine Anerkennung des Leistungserbringers als niedrigschwelliges Betreuungsangebot. Diese Anerkennung wird durch Landesrecht geregelt und stellt die erforderliche Qualität der Betreuung sicher (Nds. Anerkennungsverordnung). Zu den anerkennungsfähigen niedrigschwelligen Betreuungsangeboten gehören:

  • Betreuungsgruppen,
  • Helferkreise zur Entlastung pflegender Angehöriger im häuslichen Bereich,
  • Tagesbetreuungen in Kleingruppen oder in Einzelbetreuung und
  • Familienentlastende Dienste.

In 2013 haben 172 der niedrigschwellige Betreuungsangebote eine Landesförderung erhalten.

Die aktuelle Richtlinie läuft noch bis zum 31.12. 2018.

Ergänzende Information :

Leistungen der Beaufsichtigung und Betreuung werden auch von ambulanten Pflegediensten angeboten; auch diese Leistungen werden bei Vorliegen der Voraussetzungen von den Pflegekassen abgerechnet. Da die Betreuung aber von professionellen Pflegekräften übernommen wird, ist dies in der Regel mit höheren Kosten verbunden.

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